ANSPRACHE VON LANDESBISCHOF TOBIAS BILZ ZUM GEMEINDELEBEN WÄHREND DER CORONA PANDEMIE

Liebe Schwestern und Brüder in den Kirchengemeinden unserer Landeskirche,

heute ist ein besonderer Sonntag. Es haben fast keine Gottesdienste in unserer Landeskirche stattgefunden. Für viele von uns, auch für mich, ist das ein Moment des Schmerzes. Und wir fragen uns auch, ist das nicht voreilig, jetzt schon alles abzusagen? Wir wissen aber auch, je eher eine solche Maßnahme ergriffen wird, umso besser ist es. Wir handeln aus Nächstenliebe, nicht aus Übereifer oder Furcht. Es ist einfach deutlich geworden, je langsamer die Infektion des Coronavirus voranschreitet, umso mehr Menschenleben werden gerettet. Aber, wir brauchen natürlich Formen von Gemeinschaft, wir müssen zusammen kommen, wir müssen einander begegnen. Das kann eine virtuelle Gemeinschaft sein, wie heute in unserem Gottesdienst. Ich möchte Sie aber auch ermutigen, Hausandachten zu halten. Auch dafür werden Sie in den kommenden Tagen Vorlagen bekommen, die sie nutzen können. Vielleicht entdecken wir neu, was es heißt, wo zwei oder drei versammelt sind in Gottes Namen, da ist er unter ihnen. Halten Sie Kontakt untereinander, rufen Sie sich gegenseitig an, schreiben Sie sich Nachrichten. Besuchen Sie sich auch in der Nachbarschaft. Dass niemand vereinsamt. Ich denke wenn wir hier die Regeln einhalten, die Vorsichtsmaßnahmen die geboten sind, können wir auch in Kontakt bleiben. Seien Sie kreativ. Nicht alles kann von Landesebene aus angeordnet oder gestaltet werden,manches müssen Sie selber tun.Ich möchte Sie zum Gebet ermutigen. Not lehrt beten. Zu allen Zeiten fangen Menschen an zu beten, wenn es ihnen schlecht geht. Das ist gut so. Es heißt doch im Psalm 50: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.Beten Sie für die, die krank sind, für die, die vielleicht um ihr Leben ringen. Beten Sie für das Personal in den Krankenhäusern. Aber auch für die Wissenschaftler, die den Virus erforschen und Gegenmittel entwickeln, dass sie zum Ziel kommen. Beten Sie aber auch, dass Gott uns gnädig ist und eingreift.Wie auch immer Sie ihre Gebete formulieren, das Gebet ist eine Quelle der Kraft und Zuversicht. Lassen Sie uns im Gebet auch an die Not auch anderer Menschen denken. Es gibt Menschen, die in größeren Schwierigkeiten stecken als wir. Die unsere Fürbitte genauso brauchen.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist Passionszeit. Wir denken an das Leiden und Sterben von Jesus Christus. Wir denken an den, der sich selbst hingegeben hat. Der selbst verzichtet hat auf Herrlichkeit und auf das, was sein Leben reich gemacht hat. Auch wir über den Verzicht in der Fastenzeit, manchmal freiwillig, jetzt gezwungenermaßen. Vielleicht schauen wir ein wenig, was unser alles Leben an-und ausfüllt. Vielleicht nutzen wir die Zeit der Zurückgezogenheit, um unser Leben neu auszurichten. Vielleicht kann es sein, dass Wichtiges wieder wichtig wird und Unwichtiges an Einfluss in unserem Leben verliert.Wie auch immer, auch diese Zeit ist eine Zeit mit Gott und unser Leben ist und bleibt in Gottes Hand. Möge Gottes Segen mit Ihnen sein.

 

Tobias Bilz, Landesbischof